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Kesselbacher - eine vergängliche Schönheit

Verfasst: 27. November 2025 21:51
von ebel
Der Kesselbacher – eine vergängliche Schönheit

Kesselbacher? Nie gehört! … Richtig! „Kesselbacher“ ist auch nur ein interner Name für einen Stein, den ich hier vorstellen möchte. Einen echten, allgemein anerkannten Namen hat er nicht. Ich kann nicht einmal genau definieren, was er ist. Ich werde mich dem annähern.

Zunächst mal etwas über seine Herkunft. Das ist der Kesselbachgraben zwischen Bad Reichenhall und Schneizlreuth und damit liegt sie im Lattengebirge. Genauer kann ich es nicht sagen. Ich finde die Steine im Mündungsbereich des Kesselbaches in die Saalach im Geröll. Weiter oben im Anstehenden kann ich die Steine nicht suchen, ist der Graben doch sehr steinschlaggefährdet. Ein Teil des Bachlaufs wird auch für Canyoning und im Winter für Wasserfallklettern genutzt. Also nix für Steinesucher!
In der Saalach finden diese Steine sich von der Mündung des Kesselbachs ab nur wenige hundert Meter flussabwärts, dann endet das Vorkommen. Die Steine sind zu weich und empfindlich, als dass sie im Geschiebe lange erhalten bleiben. Mit dieser „Lebenserwartung“ wird klar, warum ich von einer vergänglichen Schönheit spreche. Ob es an anderen Stellen dieses Gestein zu finden gibt, weiß ich nicht. Gesehen habe ich diese Steine jedenfalls nirgend wo anders.
Will man „Kesselbacher“ finden, ist man auf Nässe angewiesen. Nach Regen, im Bachbett oder in der Nebelnässe sind seine Farben zu erkennen. Trocken sind die Steine nahezu weiß, was an der zerstoßenen, weichen Oberfläche liegt. In Geröll und Geschiebe sind die Steine zwischen dem Dolomit eher selten, aber immer zu finden.

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Was ist der Kesselbacher?
Dolomitbrekzie! Meint jedenfalls Kolani, die diesen Stein schon vor vielen Jahren gesammelt und auch geschliffen hat. Aber so ganz richtig ist es nicht. Es handelt sich um eine Gesteinsneubildung in Rissen und Spalten im Dolomit.
Kennzeichen ist neben der farblosen Dolomitbrekzie rosa bis fleischfarbener Dolomit. Verwittert dieser rosa Dolomit, wird er schwarz, nicht rostig, was auf Mangan hinweist. Eisenhaltiger Dolomit wird gelb, braun, rostig.
In den Spalten füllt der Dolomit oder Calcit teilweise auskristallisiert große Bereiche.
Aragonit gibt es im Kesselbachgraben auch, im „Kesselbacher“ ist es aber kein Bestandteil.
Zwischen dem Kristallen füllt ein festeres, eisenhaltiges Tongestein die Hohlräume orangefarben aus. Der „Kesselbacher“ ist weniger das Dolomitgestein, das die Brekzie bildet, mehr das sich neu gebildete Gestein in des Spalten.

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Hier ist das orangefarbene Eisen-Ton-Gestein zwischen den weißen, glänzenden Kristallen zu sehen. Das Gestein ist kluftig und in den Hohlräumen sind die Kristalle gut ausgebildet.

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Hier ist im oberen Teil rosafarbene und im unteren Teil gelblich-blasse Dolomitbrekzie zu sehen.

Warum stelle ich den „Kesselbacher“ hier im Heilsteinforum vor?
Nun ja, jedes Gestein, jedes Mineral hat eine Wirkung auf Menschen. Und wenn ein Stein eine besondere Aufmerksamkeit erregt, gilt es, ihn genauer zu betrachten.
Ich habe einige der Steine geschnitten, geschliffen und poliert.

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Den hellen kleinen Handschmeichler hat Kolani geschliffen, der große, Hand füllende Stein rechts ist mein „Teststein“

Gehe ich einfach vom Empfinden aus, ist der Stein freundlich, sonnig, sorgt für gute Laune und wirkt aufmunternd. Er macht irgendwie „neugierig“. Ein Stein, der in fader, grauer Herbststimmung etwas anregend wirkt. Vielleicht ist auch gut für den Kreislauf oder bei Lustlosigkeit im Alltag.
Als Schlafstein ist er auch geeignet. Auch wenn er Eisen enthält, kann ich mit ihm gut schlafen. Träume sind unverändert. Auf dem Bauch aufgelegt klopft er ein wenig bei Darm und Stoffwechsel an.
Grundsätzlich ist es kein starker Heilstein, eher ein Freude bereitender Begleiter.

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Wenn ich mit der analytischen Steinheilkunde mich dem Kesselbacher annähern möchte, bin ich etwas ratlos.
Wie ist das mit der Bildung? Primär, sekundär, terziär? Das Lattengebirge ist Teil der nördlichen Kalkalpen und damit ein Sedimentgestein – also ist die Bildung des Kesselbachers sekundär.
„Streben nach Entwicklung“ ist ein Merkmal sekundärer Mineralien. Ob das die empfundene „Neugierde“ ist? Langfristige Entwicklung kann ich in dieser kurzen Zeit nicht beschreiben.
Dolomit ist trigonal. Zentriert, in sich ruhend. Allerdings ist Dolomit das Gestein, die orangefarbene „Füllung“ ist eher wie Terrakotta, nur weicher. Ein Kristallsystem kann ich nicht nachweisen.
Kleine metallisch schimmernde schwarze Körner im Gestein (Hämatit?) kann ich noch weniger beurteilen.
Kalzium, Magnesium, Eisen und Mangan. Karbonat. Da müsste ich nachlesen, welche Bedeutung die Chemie dieses Gesteins in der analytischen Steinheilkunde hat. In der Literatur könnte ich mich ein wenig nach Dolomit orientieren.
Bei der Farbe und den Chakren tendiere ich zu keiner klaren Zuordnung. Am ehesten lässt das Bauchgefühl „Solar Plexus und Milzchakra“ vermuten. Mit viel Rosa auch noch Herz. Weniger das Basischakra (Eisen, rot) oder Krone (weiß).
Die Farbe zeigt wohl die Nähe zum Verdauungstrakt.

Kinesiologisch hat der Stein nur eine schwache rechtsdrehende Aktivität. Aber das kann auch eine Täuschung sein, da ich hier von sehr viel Dolomitgestein umgeben bin.

Der Stein ist mit Härte 3 sehr weich und enthält Risse und Klüfte. So ist er zwar mit einfachem Material (Schleifpapier statt Diamantpads) zu verarbeiten, aber schwer zu polieren. Schmuck oder Handschmeichler können mit einem Steinwachs etwas geschützt werden (wie das auch bei Malachit oder Türkis gemacht wird).

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Bei diesem Stein sind die kleinen Hämatitkristalle gut zu erkennen.

Irgendwie ist es schade, dass so ein Stein keine weitere Verbreitung finden kann. Sein Vorkommen ist sehr begrenzt, die Verarbeitung nicht ganz einfach und in freier Natur endet sein Dasein recht schnell. Wer aber einen Kesselbacher hat, kann seine vergängliche Schönheit mit Freude genießen.
Ach ja: Wer hier in der Gegend ist, kann ja mal danach suchen ...


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polierte Schnittfläche

Gruß
ebel

Re: Kesselbacher - eine vergängliche Schönheit

Verfasst: 28. November 2025 00:07
von turmalin57
Ich finde die Kesselbacher toll.
Ich hoffe meiner ist nicht so schnell vergänglich.
Den habe ich von einer ganz netten Frau bekommen. :b5 Sage aber nicht von weh, sonst wollt ihr alle auch einen haben. :baeh
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Re: Kesselbacher - eine vergängliche Schönheit

Verfasst: 28. November 2025 09:33
von Morgaine
Die sehen ja richtig schön aus!

Re: Kesselbacher - eine vergängliche Schönheit

Verfasst: 28. November 2025 10:57
von Thuja
Da stelle ich gleich noch den von Ebel handpolierten Kesselbacher dazu, der nun bei mir wohnt:
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Ich empfinde ihn als sehr ruhigen, freundlichen, aber doch beständigen Stein, der eher wirkungsmäßig im Hintergrund bleibt, sich also nicht "vordrängelt" und kräftig ist... da passt Ebels genannte "Neugier" gut dazu.

Liebe Grüße
Thuja

Re: Kesselbacher - eine vergängliche Schönheit

Verfasst: 28. November 2025 13:13
von little Rock
Na wenn die so Vergänglich sind sollten wir alle zu Steinschützern werden.
Ich wäre bereit ein paar bei mir aufzunehmen und zu schützen :grins

Re: Kesselbacher - eine vergängliche Schönheit

Verfasst: 28. November 2025 20:06
von ebel
Da sind die Kesselbacher ja schon weit verbreitet!
Lieber Turmalin, dein polierter Stein aus dem Kesselbach ist ähnlich eines Rohsteins, den ich damals zusammen mit Kolani geborgen habe. Er erinnert mehr an Aragonit oder Travertin als an Brekzie. Er ist auf dem vierten Bild oben links halb zu sehen. Da ist ein Charakteristikum des Kesselbachers nicht sofort ersichtlich, es fehlt der orangefarbene Eisentonstein. In der Kristallisation sind Merkmale des Aragonits zu erkennen, auch wenn ich nicht weiß, ob es da mal heiße Quellen gab. Sonst wäre es Sinter oder Travertin oder so was. Ich werde meinen Rohstein mal bearbeiten. Hast du deinen Stein mal mehr beachtet? Als Handschmeichler genutzt? Wie ist er?
Liebe Thuja, dein stein habe ich mit Begeisterung poliert, ist es doch der Rosa Dolomit, der die Grundlage der Brekzie ist. Das ist ein Stein, der mich bewogen hat, Kesselbacher auch dem Herzchakra zuzuordnen, ohne, dass das "Antreibende" des Eisens vorherrscht. Da ist halt Mangan mit im Spiel.
Liebe Little Rock, du magst Kesselbacher vor der Vergänglichkeit im Geschiebe retten? Roh? Poliert? Als Schmuckstück? In Gartensteingröße, Schlafstein oder Chakrenscheibe? Zum selbst schleifen geschnitten? Selbst suchen (brauchst du eine Übernachtungsmöglichkeit) oder mit Wanderschuhe (DHL, Hermes oder so)? Ich vermittle gerne Steine in Not (Falls Migranten bei dir willkommen sind).
Gruß
ebel

Re: Kesselbacher - eine vergängliche Schönheit

Verfasst: 1. Dezember 2025 21:44
von ebel
Herrlich!
Es hat am Morgen geregnet und dann hing bei +4°C nasser Nebel in den Bergen. Genau das richtige Wetter, den Kesselbach zu besuchen. Bei Trockenheit und Sonne sind ja nur die Steine zu erkennen, die im Nassen liegen.
Ich möchte noch ein paar Steine bearbeiten.

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Der Kesselbachgraben. Die Schutthalde am unteren Ende des Wasserfalls ist das Ziel.
Weiter oben sind die Felsen nass und rutschig. Zudem liegen dort auch kaum lose Steine herum.
Der Kesselbachgraben ist nicht das gelistete Geotop "Kesselbachschlucht" am Königssee, dort ist Nationalpark und kein Steinesammelgebiet!

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Fündig! Hier ist eine Ader mit dem gesuchten Gestein in Dolomit.
Wenn im Frühjahr mit der Schneeschmelze neues Gestein vom Berg kommt, gibt es mehr davon.
Andere Stücke werden bis dahin in der Saalach als Geröll vergehen.
Gruß
ebel

Re: Kesselbacher - eine vergängliche Schönheit

Verfasst: 1. Dezember 2025 23:01
von Morgaine
Toll! Gratuliere zu deinem Fund!

Re: Kesselbacher - eine vergängliche Schönheit

Verfasst: 1. Dezember 2025 23:15
von turmalin57
Oh ja, ein toller Fund. Mein Kesselbacher brauch ich immer wen ich Wärme brauche. Auch gib er mir viel Energie wen ich nicht so mag. Ich denke das die viele Energie beim schleifen und polieren in den Stein kam. :engel2

Re: Kesselbacher - eine vergängliche Schönheit

Verfasst: 2. Dezember 2025 11:37
von little Rock
Wunderbar wanderbar fällt mir dazu ein, eine herrliche Gegend und tolle Steine.

Re: Kesselbacher - eine vergängliche Schönheit

Verfasst: 28. Juni 2026 21:30
von MindStones
Was für eine faszinierende Vorstellung – ein Stein der quasi nur in einem einzigen Bachbereich existiert und dessen Zeit draußen begrenzt ist. Das hat etwas sehr Vergängliches, fast Buddhistisches.

Ich kenne den Kesselbacher nicht, aber die Art wie er beschrieben wird – freundlich, neugierig machend, nicht aufdringlich – klingt nach einem Stein der sich anbietet ohne sich aufzudrängen. Das sind oft die, die am längsten bleiben.

Ebel, hast du das Gefühl dass die Steine die du selbst gefunden und poliert hast eine andere Qualität haben als solche die du kaufst?

Re: Kesselbacher - eine vergängliche Schönheit

Verfasst: 5. Juli 2026 10:54
von ebel
Hallo Mindstone, letzte Woche hat nach langer Trockenheit eine Gewitterzelle am Kesselbach eine Mure ausgelöst und sehr viel Gesteinsmaterial und Schlamm talwärts transportiert. Mit schwerem Bagger werden die Massen weg geräumt. Ich habe es mir angeschaut. Leider sind kaum "Kesselbacher" zu identifizieren. Da habe ich schon das Gefühl, dass selbst gefundene und geschliffene Steine eine andere Bedeutung haben als gekaufte Stücke. Aber das ist sehr subjektiv. Es gibt ja auch hier sehr viele unterschiedliche und schöne Steine. Dass ich aber diesen Stein ausgewählt habe, macht ihn für mich " besonders". Und der "Kesselbacher" ist dann auch anders als ändere selbst bearbeitete Schönheiten. Ich werde die Stelle wieder besuchen.
Gruß
ebel

Re: Kesselbacher - eine vergängliche Schönheit

Verfasst: 5. Juli 2026 21:39
von little Rock
Ich habe glücklicherweise ja auch Kessis bekommen. Ich mag sie unglaublich gern. Einer liegt immer bei meinen Schlafsteinen dabei. Er fügt sich da wunderbar ein.
Ich finde auch dass selbst gefundene und bearbeitete Steine etwas besonderes sind. Auch geschenkte Steine können teilweise eine ganz andere Wertstellung haben als gekaufte. Ist bei den gefundenen wahrscheinlich so eine Art Schatzsuche. Wenn man was tolles findet ist man stolz wie Oskar : grööhl